{"id":5,"date":"2008-10-07T13:12:54","date_gmt":"2008-10-07T13:12:54","guid":{"rendered":"http:\/\/joe.tyberis.com\/caminodesantiago\/?p=5"},"modified":"2012-05-06T13:12:54","modified_gmt":"2012-05-06T13:12:54","slug":"saint-jean-pied-de-port-burgos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/joe.tyberis.com\/caminodesantiago\/2008\/10\/07\/saint-jean-pied-de-port-burgos\/","title":{"rendered":"Saint-Jean-Pied-de-Port &#8211; Burgos"},"content":{"rendered":"<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52324.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Jakobsweg nach Santiago de Compostela: Zu Fuss mit Rucksack 800 km in 31 Tagen<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<div align=\"right\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">.<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">25.8.08<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Die Anreise<\/span><\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. Trotz dieses Gemeinplatzes stellt sich die Frage, welches der erste Schritt ist. Das Durchst\u00f6bern eines Katalogs, das Buchen der Reise oder erst das Verlassen des Hauses. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">W\u00e4hrend unser TGV eher bed\u00e4chtig durch die Neuenburger Weinberge Pontarlier zu gleitet, glauben wir, unsern ersten Schritt noch vor uns zu haben. Ein Doppelzentner schwerer Schritt, angesichts unserer prall gef\u00fcllten Rucks\u00e4cke, deren Riemen noch einige Stunden lang vom Gep\u00e4ckabteil \u00fcber unsern Sitzen baumeln. \u00a0<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Umsteigen in Paris von der\u00a0Gare de Lyon zur Gare de Montparnasse in knapp einer Stunde: Etwas f\u00fcr die Fitness. Es mangelt nicht an M\u00f6glichkeiten, sich zu verirren, eine Direktverbindung zwischen den beiden Bahnh\u00f6fen gibt es nicht. Nach kurzem Anstehen f\u00fcr die Fahrkarten winden wir uns durch die richtigen Katakomben, der Metrozug steht schon dort, ein Satz, ich bin drin und Michiko zur H\u00e4lfte. Ihr Rucksack klemmt zwischen der T\u00fcr-Guillotine. Sie rupft und zupft mit Leibeskr\u00e4ften und st\u00fcrzt schliesslich mitsamt Rucksack kopf\u00fcber in die stehenden Fahrg\u00e4ste, kommt wieder hoch, der Zug beschleunigt, die taumelnde Touristin wird nach links und rechts durchgereicht. Doch bereits beim ersten Halt in Ch\u00e2telet heisst es umsteigen, aber jetzt besitzen wir etwas Erfahrung im Ellbogen einsetzen. Wir sind\u00a0noch keine gez\u00e4hmte Pilger. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">F\u00fcr die n\u00e4chsten drei Stunden erholen wir uns wieder im TGV nach Bordeaux. Dort stehen abschliessend eindreiviertel Stunden Regionalzug bis Bayonne auf dem Tagesprogramm. Die Anreise nach Saint-Jean-Pied-de-Port, dem Ausgangspunkt unseres Pilgermarathons, m\u00fcssen wir aus fahrplantechnischen Gr\u00fcnden auf morgen verschieben.<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52834.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Ein ganzes Netz von Jakobswegen f\u00fchrt in <em><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">den Camino<\/span><\/strong><\/em> (rot)<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">26.8. <\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Saint-Jean-Pied-de-Port \u2013 Roncesvalles (28 EW*); 24.8 km; 6h 36\u2019 Marschzeit; 3551 Kcal<\/span><\/strong><\/div>\n<div><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div><strong>*)<\/strong>alle Einwohnerzahlen (EW) und Kilometerangaben sind dem ROTHER WANDERF\u00dcHRER, Spanischer Jakobsweg, Ausgabe Fr\u00fchjahr 2007, entnommen. Die Kilokalorien werden von meiner <em>Polar<\/em>&#8211;<em>Uhr<\/em> anhand der Herzfrequenz errechnet.<\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nach einer guten Bahnstunde treffen wir in Saint-Jean-Pied-de-Port ein, einem 1500-Seelenort auf 163 m \u00fcber Meer, mit UNESCO-Weihe als Weltkulturerbe. Der erste Zug des Tages entl\u00e4sst zur H\u00e4lfte Rucksacktouristen, welche sogleich der Altstadt zustr\u00f6men. Emma aus London strahlt uns an mit der Frage, ob sie sich uns anschliessen d\u00fcrfe. Wir beabsichtigen die leichtere von zwei \u00dcberg\u00e4ngen \u00fcber die Pyren\u00e4en zu w\u00e4hlen und empfehlen ihr, sich woanders anzuschliessen. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Arial;\">\u00a0.<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52270.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: x-small;\">Saint-Jean-Pied-de-Port (F) Ausgangspunkt zum Jakobsweg nach Santiago de Compostela<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">An der Empfangsstation der Pilger werden wir zuvorkommend behandelt und mit Informationsmaterial versorgt. Man will uns die anstrengende Route Napol\u00e9on zum Bezwingen der Pyren\u00e4en\u00a0schmackhaft machen. Da wir erst gegen zehn Uhr aufbrechen k\u00f6nnen, m\u00f6chte ich meiner Frau den Lepoeder-Pass mit dem Kulminationspunkt auf 1430 m nicht zumuten, sondern auf unserer ersten Etappe auf der Schlechtwetter-Route zum Puerto de Iba\u00f1eta auf 1057 m aufsteigen. Im Nachhinein erweist sich meine \u00dcberlegung vielleicht als falsch, denn unser markierte Weg steigt keineswegs regelm\u00e4ssig entlang der Autostrasse zum Pass auf, sondern gef\u00e4llt sich in st\u00e4ndigem Auf und Ab, was uns unter Umst\u00e4nden mehr H\u00f6henmeter abfordert als die Sch\u00f6nwetter-Route. Und wir sind den ganzen Tag alleine unterwegs. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der moralische Tiefschlag kommt mit dem Verlust meines kaum eine Woche alten Fotoapparates. Ob ihm, am Halse baumelnd, ein paar Schweisstropfen den Gong gegeben haben? Wie finde ich aus dieser Kalamit\u00e4t heraus?<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0.<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52271.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Camino im Aufstieg zum Pyren\u00e4enpass nach Puerto de Iba\u00f1eta<\/span> <\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die sechseinhalb Stunden Fussmarsch netto sind seit langem das M\u00fchsamste, woran ich mich erinnere, obwohl ich kaum k\u00f6rperliche M\u00fcdigkeit versp\u00fcre. Michiko leidet jede Stunde mehr, auch weil uns zum Schluss die Getr\u00e4nke ausgehen. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Obwohl wir erst gegen sechs Uhr nachmittags in Roncesvalles eintreffen, finden wir f\u00fcr je sechs Euro eine \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeit in einer riesigen Halle, \u00e4hnlich einem Kirchenschiff, wo \u00fcber hundert doppelst\u00f6ckige Betten stehen. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Im Schlafsaal schr\u00e4g nebenan winkt Emma, die zwei Stunden nach uns eingetroffen ist. Kaum h\u00f6rt sie von meinem Pech mit der Kamera, offeriert sie mir ihre, die sie aus unerfindlichen Gr\u00fcnden eingepackt habe, obwohl sie ausschliesslich mit ihrem Handy fotografiere. Ihr Model ist zwar nicht das neueste, etwas schwerer als meins, und es fehlt eine Batterie.\u00a0<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Santiago de Compostela, 790<\/span><\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">steht auf dem Strassenschild am Ausgang von Roncesvalles, dem Klosterdorf, \u00a0das weitgehend vom Pilgerwesen rund um den Jakobsweg lebt,\u00a0962 m \u00fc. M.<\/span><\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">27.8.<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Roncesvalles \u2013 Zubiri (240 EW); 21.2 km; 1963 Kcal<\/span><\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Im Vergleich zum Vortag, ein Honiglecken. Wunderbarer Wanderweg, wenig Steigungen, Tagesziel 434 m tiefer gelegen als Ausgangspunkt. Verschiedene kleine Siedlungen und D\u00f6rfer laden zum Unterbrechen der Reise. Wir wandern zusammen mit Emma. Hunderte andere Pilger bev\u00f6lkern denselben Abschnitt. Manche sieht man mehrere Male, am Wegrand oder in einer Bar. Ein spanisches Paar hat den Ausgangspunkt seiner Pilgerreise ebenfalls nach Saint-Jean-Pied-de-Port, also hinter die Pyren\u00e4en, verlegt. Manche spanisch sprechende Pilger haben vermutlich Roncesvalles als Ausgangspunkt genommen. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/53962.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/>\u00a0<\/span><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Camino ab Roncesvalles: Morgenstimmung im Schutz von Laubb\u00e4umen<\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Obwohl der Grossteil der heutigen Strecke im Wald verl\u00e4uft, verleitet uns die Sonne am fr\u00fchen Nachmittag in Zubiri zu bleiben und die \u00dcberf\u00fchrungsetappe nach Pamplona morgen etwas l\u00e4nger zu gestalten. Fr\u00fchmorgens wandert es sich viel angenehmer.<\/span><\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">28.8.<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Zubiri \u2013 Pamplona (183\u2019964 EW); 21.1 km; 5 h 20\u2019; 1664 Kcal<\/span><\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Neuer Tag, neues Ungemach. Beim Umh\u00e4ngen des Rucksacks sp\u00fcre ich einen Metallsporn in meiner rechten H\u00fcfte. Eine Schnalle des Gurts um die H\u00fcfte hat das Zeitliche gesegnet. Hilflos, verw\u00fcnsche ich die Qualit\u00e4tskontrolle der Migros, denn ich trage diesen Tornister erst ein paar Tage. Ich denke an meinen Dialog mit der Verk\u00e4uferin und werweisse, wie ich die kommenden Wochen mit dem Schaden umgehen soll. Ein paar Wegstunden sp\u00e4ter schwant mir die M\u00f6glichkeit, in diesen abgelegenen D\u00f6rfern vielleicht einen Sattler zu finden. Erst beim Kaffeehalt \u00fcberlege ich, die Sache selber an die Hand zu nehmen. Braucht es den Camino, um nur schon die Idee des Do-it-yourself zu generieren? Michiko hat das Problem denn auch in f\u00fcnf Minuten im Griff und schon st\u00fctzt der Gurt den Tornister wieder.<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Der Weg nach Pamplona verl\u00e4uft grossteils im Schatten von W\u00e4ldern. Trotz einiger sp\u00fcrbarer Steigungen f\u00e4llt er insgesamt bis in die Hauptstadt von Navarra. Da der Himmel am Vormittag vorwiegend bew\u00f6lkt ist, bleibt uns die spanische Hitze erspart. Die Stunden verrinnen, bald erreichen wir die Magdalena-Br\u00fccke am Eingang von Pamplona. Unweit davon liegt die Casa Paderborn, eine von Deutschen gef\u00fchrte Herberge. Der Empfang ist herzlich und wir kriegen ein Zimmer mit zwei Doppelbetten.\u00a0Ein niederl\u00e4ndisches Ehepaar teilt den Raum mit uns. Wir geniessen gemeinsam das dreig\u00e4ngige Pilgermen\u00fc im nahen Club de Nataci\u00f3n, incl. 2 Flaschen Tischwein und Wasser f\u00fcr total 44 Euros. Das betagte Ehepaar erz\u00e4hlt, wie es bei einer Etappe weniger als f\u00fcnf Kilometer zur\u00fcckgelegt habe und deshalb von der Leitung der Herberge unfl\u00e4tig ger\u00fcgt worden sei. Man habe gedroht, es warten zu lassen, bis der letzte Pilger Einlass begehrt habe. Es ist bekannt, dass man selbst im Krankheitsfalle nicht zweimal am gleichen Ort bleiben darf, es w\u00e4re sonst m\u00f6glich, sich preisg\u00fcnstige Ferien zu erschleichen. Der Pilgerpass ist das Identifikationspapier des Pilgers, der Stempel und das Datum lassen kein Schummeln zu. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">In Pamplona marschieren Michiko und ich als erstes die <em>Ruta de los Encierros <\/em>ab<em>, <\/em>den Streckenverlauf der allj\u00e4hrlichen Stierl\u00e4ufe um die St.Fermin-Tage (6.-14. Juli)<em>.<\/em> Nicht erst, aber besonders seit Hemingway die Mutproben junger M\u00e4nner literarisch\u00a0verherrlicht hat, lassen sich tollk\u00fchne Touristen von verst\u00f6rten Stieren der Stierkampfarena zutreiben und bleiben dabei auch mal auf der Strecke. Das Standbild des amerikanischen Schriftstellers steht passend vor der Plaza de Torros. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0.<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52273.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Pamplona &#8211; Hemingway-Denkmal vor der Plaza de Torros<\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Im Warenhaus <em>El Corte Ingl\u00e9s <\/em>schauen wir uns die Auswahl an Digitalkameras an. Eine junge Verk\u00e4uferin gesellt sich zu uns mit der Frage, ob wir Spanisch verstehen, damit sie vielleicht helfen k\u00f6nne. Nicht Spanisch, sondern die fehlende Auswahl sei das Problem, gebe ich ihr zu verstehen. Dann muss sie die Leidensgeschichte meiner geschlissenen Kamera anh\u00f6ren. Gleichzeitig setzt sie mir immer neue Modelle vor bis ich sage: \u201eSe\u00f1orita, ich bin Pilger, ich kann mir keinen Apparat \u00fcber hundert Euros leisten!\u201c Sie verabschiedet sich kurz und kommt prompt mit einer sehr kompakten <em>Nikon Coolpix<\/em> zur\u00fcck f\u00fcr 79 Euros. Nachdem ich die Speicherkarte von meiner ungl\u00fccklichen Canon \u00fcbernehmen kann, ist der Deal schnell abgeschlossen. Jetzt trage ich drei Kameras mit mir herum, denn Emma ist uns voraus gegangen.<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">29.8.<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Pamplona<\/span><\/strong><strong><span style=\"font-size: 16pt;\"> \u2013 Obanos (785 EW); 20.3 km; 5 h 30\u2019; ca. 2000 Kcal<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Neu an der heutigen Etappe ist, dass wir eine Steigung von 250 m zu bew\u00e4ltigen haben, sowie die Tatsache, dass das gr\u00fcne Laubdach der Vortage \u00fcber dem Camino fast g\u00e4nzlich fehlt. Wir sind erstmals der prallen Sonne ausgeliefert. Die Sicht vom Alto del Perd\u00f3n (735 m \u00fc. M.) in die abgeerntete Landschaft mit vorwiegend erdigen Gelb-T\u00f6nungen gegen das konkurrenzlose, <\/span><\/span><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">milchig aufgemischte Blau des Himmels entsch\u00e4digt f\u00fcr die Arbeit. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0.<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52766.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Alto del Perd\u00f3n\u00a0&#8211; die Windkraftwerke\u00a0gedeihen \u00fcberall<\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ich empfinde das stundenlange Vorw\u00e4rtsschreiten in der Tat als Arbeit. Nicht als etwas, das man ohne weiteres als Vergn\u00fcgen bezeichnen w\u00fcrde, aber auch nichts, das man immer schon hinter sich w\u00fcnschte. Wie weit es bis Santiago de Compostela noch ist, interessiert wohl erst, wenn die Restdistanz von der dreistelligen in eine zweistellige Kilometerzahl \u00fcbergeht. Wie man auch als Zwanzigj\u00e4hriger noch kaum an die Pension denkt. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Man kennt sich allm\u00e4hlich auf der Strecke, \u00fcberholt und wird \u00fcberholt. \u201e\u00a1Hola!\u201c oder \u201e\u00a1Buen Camino!\u201c sind die g\u00e4ngigen Grussworte. Unter den Pilgern ist neben Spanisch Englisch die am meisten verwendete Kommunikationssprache. F\u00fcr junge Spanier soll der Erhalt der <em>Compostela<\/em>, der Urkunde nach beendigter Pilgerschaft, als gewichtige Referenz bei der Jobsuche gelten. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">In Obanos mit seinen knapp 800 Einwohnern ist heute Feiertag. Klein und Gross tr\u00e4gt Weiss mit rotem Schal, sowie rotem Stoffg\u00fcrtel, der auf der einen Seite beim Knie in gekn\u00f6pfte B\u00e4ndel ausl\u00e4uft. Um f\u00fcnf Uhr findet ein Radrennen f\u00fcr Junioren \u00fcber 46 km statt, welches die Infrastruktur einer Landesrundfahrt imitiert. Top Material, mehr Autos und Motorr\u00e4der als Sportler, Polizisten mit Imponiergehabe und schliesslich einen Sieger mit abgeguckten Posen bei der Einfahrt und Siegerehrung. Dass es bei Temperaturen, die sich wie vierzig Grad anf\u00fchlen auch Verlierer gibt, komplettiert die Inszenierung des Dorffestes. Ein schm\u00e4chtiger Junior mit Hitzestau wird von seinen Angeh\u00f6rigen im Strassengraben gepflegt, w\u00e4hrend die Ambulanz mit Blaulicht abseits Pr\u00e4senz markiert. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nach Sonnenuntergang folgt ein Openair Konzert mit potenten Lautsprecheranlagen. Liedermacher unterhalten das lokale Publikum im Alleingang im Wechsel mit einer Band und S\u00e4ngern, die mit Macho-Getue und Dezibels Aufmerksamkeit erheischen. Die J\u00fcngsten ballern mit Spielzeug-Maschinenpistolen um sich. F\u00fcr meinen Geschmack fehlt der Grillstand mit Wurst und Barbecue, denn am Feiertag ist alles geschlossen, bis auf das Restaurant neben unserer Herberge, das bloss Snacks anbietet. Als Pilger sind fast ausschliesslich Deutsche auszumachen, was den Verdacht zul\u00e4sst, dass die Erw\u00e4hnung Obanos\u2019 im ROTHER WANDERF\u00dcHRER Wirkung zeigt. Andere Nationalit\u00e4ten sind nach dem Nachbarort Puente la Reina weiter gewandert. <\/span><\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">30.8.<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Obanos \u2013 Estella (13\u2019024 EW); 26.8 km; 6 h; 2100 Kcal<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Erneut ein Tag unter der Sonne. Um halb sieben Uhr morgens ist diese allerdings noch hinter dem Horizont und man sucht das Muschelemblem als Wegweiser mit\u00a0Taschen- oder Stirnlampen. Es sei denn, man fragt die Einheimischen nach dem <em>Camino<\/em>. In Obano ist noch eine Disco in Betrieb, mit jungen Leuten, die den gestrigen Feiertag ins Wochenende hinein retten. In angeheiterter Stimmung wird \u201e\u00a1Buen camino!\u201c gew\u00fcnscht, nicht ohne uns einen Becher mit unbestimmtem Inhalt hinzuhalten. An Schlaf war nicht zu denken, um halb zw\u00f6lf stieg ein zwanzigmin\u00fctiges Feuerwerk mit B\u00f6llern, die die Mauern erzittern liessen. Als Pilger mussten wir uns mit dem akustischen Teil des Spektakels begn\u00fcgen, denn die Herbergen sind in der Regel um zehn Uhr geschlossen. Ich begab mich dennoch in den Garten und bekam die \u201eAh\u201c und \u201eOh\u201c aus erster Hand mit. Das Volksfest zog sich durch die Nachtstunden, wobei laute Musik und heiteres Stimmengewirr nicht Halt machten vor den Pforten unserer Herberge. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ja und was tut man unterwegs zum n\u00e4chsten Tagesziel? Man tauscht sich kurz mit andern Pilgern aus, geht alleine einher, pfl\u00fcckt und isst im Vorbeigehen ein paar von den kleinen, fruchtigen Brombeeren. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52272.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"color: #ff0000; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">H\u00e4ufig am Wegrand &#8211; kleine fruchtige Brombeeren<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Kerne dieser Vitaminspender pflegen sich in den Zahnzwischenr\u00e4umen zu verstecken, was der Zunge Besch\u00e4ftigung verschafft bis zur n\u00e4chsten Hecke. In den Ortschaften, die diesmal in idealen Abst\u00e4nden auftauchen, g\u00f6nnt man sich einen Marschhalt bei einem Caf\u00e9 con Leche, einem Milchkaffee oder Kolagetr\u00e4nk. Und man f\u00fcllt die Wasserflasche f\u00fcr unterwegs. Sauber sind sie, diese D\u00f6rfer, harmonisch bettet sich etwa Cirauqui in die H\u00fcgellandschaft ein. Unentwegt fragt man sich, wovon die Bewohner leben. Da gibt es schmucke H\u00e4user, nicht selten mit Blumen geschm\u00fcckten Fenstersimsen. Davor stehen ansehnliche Mittelklassewagen, keine alten Blechkarossen. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0.<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52274.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Cirauqui &#8211; harmonisch in H\u00fcgellandschaft eingebettet<\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Im <em>Nuevo Albergue Parroquial, <\/em>wo \u00dcbernachten und Nachtessen gratis sind, beenden wir unser Tagewerk. Wir wollen einmal diese Schiene versuchen, wobei zu sagen ist, dass in diesen Lokalit\u00e4ten sehr auf eine freiwillige Spende gehofft wird. In der Stadt selber verzweifeln wir anf\u00e4nglich vor Durst, da wir um die Siesta-Zeit eintreffen, wo das Leben weitgehend still steht. Wer einen Getr\u00e4nke-Automaten vor seine Wohnung stellte, k\u00f6nnte reich werden. Ein Einheimischer gibt uns den entscheidenden Tipp. So er\u00f6ffnet sich uns eine sehr anmutige Altstadt mit gen\u00fcgend Auswahl an Bars und Restaurants. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00dcber zwei andere Pilger in unserer Bleibe wird ruchbar, dass Emma sich nach uns erkundigt hat. Mittels Handy-Ortung finden wir sie abends am belebten Hauptplatz, so dass die Kamerar\u00fcckgabe gelingt. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">31. 8.<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Estella \u2013 Torres del Rio (172 EW); 29.5 km; 8 h; 2478 Kcal<\/span><\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Einige Pilger haben mit physischen Problemen zu k\u00e4mpfen. Emma, die uns bei einem Aufstieg \u00fcberholt, klagt, dass sie nur unter grossen Knieschmerzen talw\u00e4rts gehen kann. Ein junger Magdeburger hat sich mit einem Tagespensum von 40 km zuviel zugemutet und muss einen Tag aussetzen. Andreas, ein junger Sozialhelfer aus Klagenfurt hinkt bedenklich. Seine Probleme mit den H\u00fcften lassen nur noch hom\u00f6opathische Tagesportionen zu. Wir sind bisher von solchen Problemen verschont geblieben. Da zahlt es sich vielleicht jetzt aus, dass wir uns gr\u00fcndlich auf den Trip vorbereitet haben. Die Strecke Hergiswil \u2013 Luzern in der Heimat bew\u00e4ltigten wir Monate lang routinem\u00e4ssig zu Fuss, l\u00e4ngere M\u00e4rsche nach Engelberg und Sachseln machten uns Mut, Wanderungen auf den B\u00fcrgenstock und Pilatus festigten unser Stehverm\u00f6gen am Berg. Schliesslich umrundeten wir als H\u00e4rtetest den Vierwaldst\u00e4ttersee in vier Tagespensen. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Michiko hat die gewohnten Probleme mit ihrem Hallux. Nach jeweils drei Stunden Marschzeit wechselt sie deshalb auf Sandalen f\u00fcr die restliche Teilstrecke. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Heute beim Fr\u00fchst\u00fcck in der Herberge barst mein zweithinterster Backenzahn. Was mich mehr beunruhigt h\u00e4tte, entspr\u00e4che dies nicht der Voraussage meines Zahnarztes. Das f\u00fchlt sich mit der Zunge etwa so an, als h\u00e4tte ich einen Mund voll dieser allgegenw\u00e4rtigen Brombeeren am Wegrand zermalmt. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Diese Widerw\u00e4rtigkeit verg\u00e4llt uns nicht das Vergn\u00fcgen, am Klosterweingut <em>Bodegas Irache <\/em>aus der <em>Fuente de vino, <\/em>dem Weinbrunnen, einen Schluck Wein zu versuchen, im Wissen, dass uns via Internet die ganze Welt zuschauen k\u00f6nnte: <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\"><span style=\"font-family: Arial;\">http:\/\/www.irache.com\/webcam.html<\/span><\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52275.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Fuente de vino (Weinbrunnen) im Klosterweingut Bodegas Irache<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"color: #ffffff; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">.<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wir h\u00e4tten in Los Arcos, wo wir mit Lili und Helen Mittag essen, bleiben und dort unter Herbergen aussuchen k\u00f6nnen. Die Kirche dieses Ortes wird eben geschlossen, als ich um etwas Aufschub bitte. Es lohnt sich. Der verspielte ultrabarocke Stil des Altaraufbaus, die \u00fcppig verzierten S\u00e4ulen nur schon der Nebenalt\u00e4re, das zeichnet viele Kirchen Spaniens wie diese aus. Leider bleiben die meisten Gottesh\u00e4user geschlossen, ausser, wenn eine Andacht stattfindet. Dass der Raum so dunkel sei, bedaure ich dem Pf\u00f6rtner gegen\u00fcber. Ich solle doch am Abend zur Messe erscheinen, dann sei die Kirche hell beleuchtet, entgegnet der Herr der Schl\u00fcssel, doch wir folgen seinem Rat nicht.<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wir legen noch eine Schippe drauf und wandern zwei Stunden weiter nach Torres del Rio. Mit acht Stunden haben wir wohl das Machbare ausgereizt, zumal bei Temperaturen, die sieben Grad \u00fcber dem Durchschnitt dieser Jahreszeit liegen sollen. Wir und alle hinter uns sehnen uns\u00a0nach dem Ort, der \u00a0sich seit langem am Horizont abzeichnet, nur um dort feststellen zu m\u00fcssen, dass es sich erst um Sansol handelt. Die anschliessende Viertelstunde schaffen wir dann auch noch. Schon bald kommen uns in Torres del Rio auf der Strasse Deutsche entgegen, die melden: <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">\u201eAlles restlos ausgebucht, n\u00e4chste Station Viana, zweieinhalb Stunden weiter.\u201c \u00a0<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Damit mag ich mich nicht abfinden. In der einzigen ge\u00f6ffneten Herberge fackle ich nicht lange, als die hilfsbereite Se\u00f1orita uns und einem italienischen Ehepaar ein paar Matratzen auf der Veranda anbietet. Auch f\u00fcr sp\u00e4ter eintreffende Pilger findet sie eine Notl\u00f6sung. Schliesslich schieben wir unsere Matratzen unter einen Tisch aus massivem Holz, auf diesen legt sich ein Deutscher, und so verbringen wir die Nacht wenigstens unter einem Dach \u00fcber dem Kopf. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Auf langen Teilabschnitten gehen Michiko und ich jeweils unser eigenes Tempo. Ich lege ab und zu Zwischenhalte ein, um auf sie zu warten. Heute rette ich mich vor der unbarmherzigen Sonne an ein schattiges Pl\u00e4tzchen und schreibe ein paar Notizen auf. Nach einem Weilchen frage ich die andern Wanderer, welche ebenfalls rasten, ob jemand meine Frau vorbeiziehen gesehen habe. Obwohl ich diese Leute nicht kenne, antworten sie mit nein. Eine Frau tr\u00f6stet mich, man treffe sich ja immer wieder. Ich weiss nicht, ob ich zur\u00fcck oder vorw\u00e4rts laufen soll. Letzteres ist die richtige Entscheidung, denn zehn Minuten sp\u00e4ter finde ich sie quickfidel mit Roberto von Bilbao unter einer schattigen Hecke. Es ist nicht so, dass ich Michiko die Tagesleistung vorgebe. Auf die R\u00fcckfrage, \u201ekannst du nochmals zwei Stunden anh\u00e4ngen?\u201c kommt ein spontanes \u201eJojo\u201c, das keinen Zweifel zul\u00e4sst.<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Obwohl ich oft das Wort Pilger verwende, w\u00fcrde ich mich nicht als solchen bezeichnen. Aber auf dem Camino dreht sich halt alles um den peregrino (Pilger). Ich behaupte, die wenigsten unterwegs sehen sich die Kirchen am Wegrand von innen an. Die meisten der Gottesh\u00e4user sind ohnehin geschlossen. Die bisher dahin gehend \u00a0angesprochenen Wanderer\u00a0geben an, auf der Suche nach sich selbst zu sein. Beim Empfangsb\u00fcro in Saint-Jean-Pied-de-Port wird eine Statistik gef\u00fchrt und u. a. nach dem Beweggrund der Leute gefragt. Angekreuzt werden k\u00f6nnen, religi\u00f6se, kulturelle, sportliche und \u00fcbrige Gr\u00fcnde. Ich mache den Jakobsweg, weil es ihn gibt.<\/span> \u00a0<\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">1.9.<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Torres del Rio \u2013 Logro\u00f1o (142&#8217;143 EW); 20.5 km; 5 h; 1440 Kcal<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nach den gestrigen fast 30 km sind heute nur 20 km vorgesehen. Lohnt es sich da, fr\u00fch aufzustehen, ist man versucht zu fragen. Aber die ideale Streckenl\u00e4nge gibt es nicht. Eine Grossstadt wie Logro\u00f1o\u00a0auszulassen w\u00e4re unklug, besteht doch wieder einmal die M\u00f6glichkeit, pers\u00f6nliche Bed\u00fcrfnisse zu befriedigen. So sucht Michiko nach einer Salbe, die einen Hautausschlag eind\u00e4mmen soll. Und mein abgebrochener Stockzahn l\u00e4sst mich nur unter Schmerzen essen und trinken. Reden geht \u00fcberhaupt nicht mehr. In Geb\u00e4rdensprache fragte ich heute eine Belgierin, ob neben ihr ein Platz frei sei, Michiko bestritt die restliche Konversation an einem Kaffeehalt. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">In Logro\u00f1o heisst es, zwei Stunden auf die T\u00fcr\u00f6ffnung der Herberge warten. Wir deponieren unsere Rucks\u00e4cke an der Spitze der sich abzeichnenden Warteschlange und ich mache mich auf die Suche nach einem Zahnarzt. Eine Apotheke gibt mir eine Adresse. Als ich klingele und eine Dame in Weiss \u00f6ffnet, stelle ich mich als peregrino (Pilger) vor \u2013 man h\u00e4tte sonst anhand meines Aussehens an einen Junkie denken k\u00f6nnen \u2013 und stammle vom abgebrochenen Zahn und den Schmerzen im Zungenansatz. Sie l\u00e4sst mich etwa zehn Minuten warten, dann ruft sie mich ins Behandlungszimmer. Der Zahnarzt erscheint, sieht sich die scharfe Kante des Zahnrestes an, nimmt einen Apparat mit einer Feile und entsch\u00e4rft die Kante in schmerzhaften zwei, drei Minuten. Die Gehilfin \u00fcberreicht mir sodann eine Salbe um die Heilung zu beschleunigen. Alles zum Nulltarif. Mir verschl\u00e4gt es fast die mittlerweile wieder erlangte Stimme.<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Mit dem Madrilenen Carlos, der mit Michiko zusammen die Warteschlange vor der Herberge anf\u00fchrt, gehen wir auf Stadtrundgang. Es\u00a0folgt der bisher innigste philosophische Diskurs \u00fcber den Camino. Carlos hat die letzten 200 km des Camino schon einmal gemacht. Diesmal will er den ganzen Weg durch Spanien nochmals unternehmen, quasi als Opfergang, um f\u00fcr seine Familie Gutes zu erwirken. In Fragen der Kindererziehung liegen wir beiden kongruent, aber Carlos kann sich \u00fcberhaupt nicht vorstellen, dass man sich die \u201aStrapazen\u2019 des Caminos ohne oder bloss aus sportlicher Motivation auf sich nimmt. Er muss sich schliesslich mit Michikos Erkl\u00e4rungsversuch zufrieden geben: sie gehe, weil ich gehe und weil es gut f\u00fcr die Gesundheit sei. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0.<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52277.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Logro\u00f1o, beim Filosofieren mit Carlos<\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Wanderer w\u00e4re ein passender Begriff im Deutschen, den gibt es im Spanischen gleichwertig nicht. Schon in fr\u00fcheren Jahrhunderten gab es nicht nur Pilger, die sich\u00a0nach Santiago aufmachten. In gewissen L\u00e4ndern war es den Gerichten m\u00f6glich, einem Verurteilten zur Strafverb\u00fcssung anstelle einer Freiheitsstrafe den Pilgergang nach Santiago de Compostela zu verordnen. Ob da immer die Gesinnung dem richterlichen Wunsch entsprach? So gesehen unternehmen wir die Reise vielleicht vorsorglich: Mal sehen, ob sich bei einem zuk\u00fcnftigen Verkehrsdelikt etwas anrechnen l\u00e4sst\u2026<\/span><\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">2.9.<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Logro\u00f1o \u2013 N\u00e1jera (7105 EW); 30.7 km; 7 h 12\u2019; 2617 Kcal<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Bleibe in Logro\u00f1o ist die bislang unangenehmste, wenn auch mit 3 Euros die billigste. Ich schlafe oft schlecht ein. Kurz nach zehn Uhr beginnen die Schnarcher ihr Nachtwerk. Es wird kaum mehr gefl\u00fcstert. Ein elektronisches Piepsen st\u00f6rt periodisch. Von der \u00fcbern\u00e4chsten Reihe (es gibt hier 24 doppelst\u00f6ckige Betten) beischlaf\u00e4hnliche Ger\u00e4usche im Schutze der aufreizend lauten Lieferwagen, die sich nachts draussen durch die enge Gasse zw\u00e4ngen. Irgendwann \u00fcbermannt mich dann der Schlaf doch, denn als mich ein stummer Aktivismus in dem Raum weckt und ich zur Uhr schaue: 04:31! Eine geschlagene Stunde fr\u00fcher als sonst. Dabei ist vor sechs Uhr ohne Taschenlampe nicht zu erkennen, wo die Weg weisenden Muschelsymbole sind. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0.<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52291.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Rioja &#8211; Traube<\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: medium;\">.<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Heute k\u00f6nnen wir w\u00e4hlen zwischen einer Etappe von zehn, zwanzig oder dreissig Kilometern. Wir lassen uns von der Emsigkeit anstecken und folgen einer Gruppe von Italienern. F\u00fcr Michiko eine Herausforderung, kann sie doch f\u00fcr einmal nicht ihr eigenes Tempo gehen. Wir queren die ganze Pracht der Weinberge Riojas. Hier also gedeihen im sandig-steinigen, humusarmen Boden die Weine mit dem erdigen Abgang. Der Sonnenaufgang findet uns schon zweieinhalb Stunden auf den Beinen. Das Schild Tio Pepe, mit dem metallenen Stier, steht am Horizont Spalier neben der blutjungen Sonne; dieses Dekor kann nur Spanien bieten. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0.<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52280.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Am Camino: Begegnung der freundlichen Art<\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Nat\u00fcrlich schafft Michiko die ganzen dreissig Kilometer, man darf ihr das nur nicht als Vorgabe abfordern. Da wir vor T\u00fcr\u00f6ffnung vor unserer Herberge eintreffen, lassen wir die Rucks\u00e4cke in der zeitlichen Reihenfolge der Ankunft liegen und genehmigen uns ein Dreigangmen\u00fc in der Altstadt. Im Preis von zehn Euros pro Person ist eine Flasche Rioja inbegriffen. Als wir im Pilgerhaus zur\u00fcck sind, haben alle andern schon eingecheckt. Die tats\u00e4chliche \u00a0\u00d6ffnungszeit entsprach nicht den Angaben auf dem Schild. Dadurch kriegen wir die Betten Nummer 67 und 69 unten, ein kleines eheliches Biotop, ideal auch im Hinblick auf die Distanz zu den Duschen und Toiletten, wo es inzwischen\u00a0keine Wartezeiten mehr gibt. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Dies ist wieder einmal eine Bleibe, die allein von den freiwilligen Spenden der Pilger lebt. Hotels w\u00fcrden ohne weiteres f\u00fcnfzig Euros f\u00fcr ein Doppelzimmer verlangen. Die meisten Wanderer bringen ihren Schlafsack mit. Wenn oft von Ungeziefer in den Matratzen der Massenlager die Rede ist, so sind es die <em>peregrinos<\/em>, Pilger, welche dieses von Ort zu Ort schleppen. Die Pilgerh\u00e4user werden mancherorts von edlen, selbstlosen Freunden des Jakobswegs betreut. Schade, wenn nur noch Leute mit Scheckbuch diesen einmaligen Camino abwandern k\u00f6nnten. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Pilger mit\u00a0Fahrrad sind zahlenm\u00e4ssig im Vormarsch. Sie folgen ihrer eigenen Route, sofern sich der Weg der Fussg\u00e4nger nicht eignet. Bereits in Logro\u00f1o parkten Dutzendweise Mountainbikes in unserer Bleibe. F\u00fcr Radfahrer gelten etwas strengere Bedingungen f\u00fcr den Erhalt der Compostela\u00a0in Santiago. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Jeden Montag verlangt meine <em>Polar-Uhr<\/em>, dass ich die Leistung der Vorwoche abrufe. Sie zeigt an, dass ich 500%\u00a0meiner vorgesehenen w\u00f6chentlichen Kalorienzahl verbrannt habe. Gleichzeitig verlangt die Uhr einen Fitnesstest, der mit \u201aExzellent\u2019 ausf\u00e4llt. Damit kann ich gut leben.<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">3.9.<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">N\u00e1jera \u2013 Santo Domingo de la Calzada (5&#8217;622 EW); 20.6 km; 5 h; 1235 Kcal<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Kurzetappe. Mir scheint, es geht nur darum, die schweren Rucks\u00e4cke von einem Ort zum andern zu verlegen. Dabei ginge dies auch anders, wie es zwei Japanerinnen vormachen. Sie lassen f\u00fcr 7 Euros pro Tag die schweren Sachen durch einen Lieferdienst von\u00a0ihrem Hotel zum n\u00e4chsten\u00a0am Zielort\u00a0transportieren und machen so den <em>camino light<\/em>. Sie nehmen in Kauf, dass sie dadurch in Hotels \u00fcbernachten, die sie weitere 50 Euros kosten. Heute sind wir in einem Zisterzienserkloster einquartiert, als Ehepaar haben wir zwei Betten in einer kleinen Nische erhalten. Einzelpersonen schlafen wie \u00fcblich in Kaj\u00fctenbetten. Auch dieses Haus lebt von freiwilligen Spenden, die die Empfangsdame vorsorglicherweise gerade beim Abstempeln der Pilgerp\u00e4sse einfordert\u2026 <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Beim Fr\u00fchst\u00fcck, etwa nach einer Stunde Weges bestellen wir die \u00fcblichen Caf\u00e9s con Leche mit Croissants. Diese sind so luftig und gross, dass sie immer mit Gabel und Messer gereicht werden. Beim drein beissen glaube ich, es handle sich um einen Dreik\u00f6nigskuchen und ich sei eben gekr\u00f6nt worden, doch Michiko kl\u00e4rt mich dahingehend auf, dass es sich beim Corpus Delicti um ein weiteres Bruchst\u00fcck meines Stockzahns handelt. Jetzt f\u00fchlt sie die L\u00fccke wie ein U-Tal an und ich hoffe auf Ruhe bis zum Ende der Reise. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Santo Domingo de la Calzada verdankt seine Existenz und den Ortsnamen Domingo de Viloria (1019 \u2013 1109), der sein Leben ganz dem Pilgerweg widmete. Ohne Jakobsweg g\u00e4be es diesen Ort mit seinen zusammen gebauten, von engen G\u00e4sschen getrennten\u00a0Steinh\u00e4usern mit Miniaturbalkonen nicht. Selbstverst\u00e4ndlich fehlt die Kathedrale nicht. Vom Turm aus kann man die kompakt gebaute Kleinstadt wie ein mit roten Ziegeln kariertes Biotop in der trockenen Landschaft der oberen Rioja erleben. Der Pilgerweg f\u00fchrt schnurstracks durch den Ort. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0.<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<div align=\"right\"><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52767.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Im Refugium: (Schuh)ordnung muss sein<\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Ab morgen betreten wir die autonome Region Castilla y Le\u00f3n, und das f\u00fcr einige Zeit, ist diese doch mehr als zweimal so gross wie die Schweiz. <\/span><\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">4.9.<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Santo Domingo de la Calzada \u2013 Belorado (2&#8217;019 EW); 23.5 km; 6 h 5\u2019; 2603 Kcal<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Tagesleistung betr\u00e4gt etwa\u00a0zwei Kilometer mehr, da wir fr\u00fchmorgens falsch loslaufen. Stoppelfelder reihen sich aneinander und gehen \u00fcbergangslos von Rioja nach Castilla y Le\u00f3n \u00fcber. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Beim Fr\u00fchst\u00fcckshalt treffen wir Ryoko und Yoko. Ryoko, die j\u00fcngere der beiden Japanerinnen schliesst sich mir an, w\u00e4hrend Yoko Michiko allerhand spannendes \u00fcber ihren Beruf als Beraterin in Lebensfragen zu berichten weiss. Sie hat eine esoterische Ader, kennt sich aber in vielen Wissensgebieten aus, so auch in der christlichen Gnosis. Ryoko ist eine ihrer Kundinnen. Diese \u201aweiss\u2019 deshalb, dass sie bis in etwa zehn Jahren endlich den Mann f\u00fcrs Leben finden wird. Gem\u00e4ss Ryoko d\u00fcrfte das ruhig etwas schneller gehen. Bei ihrem Sch\u00e4kertalent und den grossen Augen vorstellbar. Sie l\u00e4sst mich Japanisch radebrechen, statt ihr Englisch zu bem\u00fchen. Voraus eilend k\u00f6nnen wir den ersten Regen auf der Reise knapp abwenden. Die beiden <em>\u201alight Pilger\u2019<\/em> nehmen morgen, da es in die Berge geht, den Bus Richtung Burgos. Da wir bis dahin per pedes zwei Etappen ben\u00f6tigen, gibt es wohl kein Wiedersehen mit den zwei Single Frauen. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\">.<\/div>\n<p align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52283.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/p>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Mit Yoko und Ryoko<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">.<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"left\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Auch mit Juan Jos\u00e9 aus Malaga tausche ich mich ein Halbst\u00fcndlein aus, weil wir etwa die gleiche Schrittkadenz haben. Der 71-J\u00e4hrige ist seit sieben Jahren Witwer und seit anfangs Jahr pensioniert. Er war Flugzeug-Ingenieur und in dieser Zeit in vielen L\u00e4ndern t\u00e4tig. Nach seiner Aktivzeit betreute er noch Flugsimulatoren. Seine erste Priorit\u00e4t im Ruhestand bleibt der Camino, weil er gl\u00e4ubiger Christ sei. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"left\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">In Belorado ist Fiesta angesagt. Die Menschen tanzen und trinken in den Bars und auf der Strasse. Gemeinsames Markenzeichen ihrer Uniform: Die beiden Hosenbeine m\u00fcssen unterschiedliche Muster aufweisen.<\/span> <\/span><\/div>\n<div><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">5.9.<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Belorado \u2013 Atapuerca (196 EW); 30.3 km; 7 h 36\u2019; 2701 Kcal<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Heute ist ein windiger Tag. Schier f\u00fcnfzig Mal w\u00e4re meine M\u00fctze unwiederbringlich davon geflogen, w\u00e4re sie nicht an meiner Jacke festgezurrt. Angesagt ist Regen und wir hoffen, m\u00f6glichst lange davor verschont zu bleiben. Daher tauchen wir schon kurz nach halb sechs Uhr fr\u00fch in die finstere Nacht ein. Der 1162 m hohe Oca-Berg ist die pi\u00e8ce de r\u00e9sistance. Hier zahlt es sich aus, dass Michiko k\u00fcrzlich den Pilatus bestiegen hat. Beim Aufstieg bekundet sie weniger M\u00fche, als beim anschliessenden Abstieg. Auf der Kuppe verl\u00e4uft der Camino stundenlang in einer Brandschneise des Oca-Waldes, was topografisch nicht besonders abwechslungsreich ist. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52278.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Camino durch Feuerschneise auf dem Oca-Berg<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Daher sinniere ich dar\u00fcber nach, woher eigentlich der Wind kommt. Im Grunde windet es nicht, sondern die Erde dreht sich im Eiltempo um ihre eigene Achse. Die Atmosph\u00e4re schwebt \u00fcber dem Festland und Meer und sieht keine besondere Veranlassung, die Rotation mitzumachen. Und schon haben wir Wind. Wenn die Luftmassen gegen einen Bergzug prallen, oder auch gegen eine der Tausenden Windkraftwerke hier in Spanien, gegen Michiko und mich am heutigen Tag, so bremsen die Winde die Erdkugel jedes Mal ein kleinwenig ab. Sie dreht sich also immer langsamer. Die Tage werden l\u00e4nger. Das braucht uns nicht zu beunruhigen, denn es macht vielleicht eine Sekunde aus in hundert Jahren. Und wir Menschen haben uns l\u00e4ngst daran gew\u00f6hnt, dass wir nicht so sehr darauf achten, was in hundert Jahren sein wird. Immerhin spielen wir eine Rolle auf unserem Planeten, wenn auch lange nicht jene, die wir uns gelegentlich einbilden.<\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Gerade Atapuerca lehrt uns einiges \u00fcber die Relativit\u00e4t des Menschen im Kosmos. Hier wurden 800&#8217;000 Jahre alte Knochenreste des <em>Homo antecessor\u00a0<\/em>gefunden, dem Vorg\u00e4nger des <em>Homo sapiens<\/em>. Die Ausgrabungsst\u00e4tte ist UNESCO-Kulturerbe der Menschheit. Wir kommen mit etwas Gl\u00fcck in den Genuss einer arch\u00e4ologischen F\u00fchrung am Fundort. Die Erl\u00e4uterungen sind auf Spanisch und betreffen die Fundstelle und die Wichtigkeit der bisherigen Ausgrabungen. Die ca. 200 Arch\u00e4ologen haben bisher erst etwa f\u00fcnf Prozent des Gebietes erforscht. Anhand von Nachbildungen wird der Unterschied zwischen dem <em>Homo Neandertal<\/em>\u00a0und dem <em>Homo antecessor <\/em>erkl\u00e4rt. Die verschiedenen Fundorte k\u00f6nnen besichtigt werden. Ein Film rundet den Ausflug ab. Mehr auf<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><a href=\"http:\/\/www.fundacionatapuerca.com\/\"><span style=\"color: #800080; font-size: medium;\">www.fundacionatapuerca.com<\/span><\/a><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><a href=\"http:\/\/www.atapuerca.com\/\"><span style=\"color: #800080; font-size: medium;\">www.atapuerca.com<\/span><\/a><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><a href=\"http:\/\/www.atapuerca.tv\/\"><span style=\"color: #800080; font-size: medium;\">www.atapuerca.tv<\/span><\/a><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Vielleicht nicht mehr als ein netter Zufall, dass seit Tausend Jahren Hunderttausende \u00fcber den Jakobsweg pilgern in einer Region, wo vor Jahrhunderttausenden bereits Migration-Str\u00f6me von Tieren stattfanden. Ob der \u201aerste Europ\u00e4er\u2019 sich von den Tieren bereits abgesetzt hatte? \u00a0Beweise, dass er intelligent gewesen ist, fehlen. Bislang keine Funde von Keramik oder Feuerstellen, bloss ein paar primitive Steinwerkzeuge. <\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0.<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52287.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">Atapuerca &#8211; anatomische Unterschiede zwischen Homo ancessor und Homo Neandertal<\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">6.9.<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong><span style=\"font-size: 16pt;\">Atapuerca \u2013 Burgos (166&#8217;190 EW); 23 km; 5 h; 1191 Kcal<\/span><\/strong><\/div>\n<div align=\"center\"><strong>\u00a0<\/strong><\/div>\n<div><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Regentag, aber wir sind schon um 11 Uhr in Burgos in einem Hostal (einfache hotel\u00e4hnliche Unterkunft) mit Balkon und Sicht auf die Kathedrale. Aus irgendwelchen Gr\u00fcnden sind wir um halb sechs Uhr aufgebrochen. Angel aus Madrid ist als erster aus dem Bett gekrochen und als Michiko sein Fehlen entdeckt, beginnt sie unsere Sachen zu b\u00fcndeln. Bald bew\u00e4hren wir uns als Pfadfinder, m\u00fcssen wir doch die Strassenecken mit Stirnlampen nach den gelben Pfeilen absuchen. Angel ist hinter uns gestartet, holt uns aber bald ein und wir machen gemeinsame Sache bis Burgos. In Intervallen regnet es heftig. Wir m\u00fcssen erstmals die Regentauglichkeit unserer Ausr\u00fcstung unter Beweis stellen. Nach dem Aufstieg auf 1078 m, wo der lehmig nasse Boden unsere Standfestigkeit pr\u00fcft, gibt es am Fuss der andern H\u00fcgelseite kaum mehr einen markierten Camino. Wir suchen den Weg ins Zentrum in einem zweist\u00fcndigen Marsch durch die Strassen der Vororte und Burgos\u2019 selbst. F\u00fcr den 35-j\u00e4hrigen Angel endet der Camino in Burgos, da er ab Montag wieder als Informatiker in Madrid zur\u00fcck erwartet wird. Er wird den Pilgergang bei seinem n\u00e4chsten Urlaub in Burgos fortsetzen wie viele seiner Landsleute ebenfalls. Sein K\u00f6rpergewicht von 120 kg macht ihm insofern zu schaffen, als er ein paar enge Stunden im Autobus vor sich weiss. Sein Vater hat den Camino letztes Jahr ebenfalls geschafft und ist nach der Pensionierung in vier Monaten alleine von Granada nach Rom gewandert. <\/span><\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<\/span><\/div>\n<div><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">Die Catedral de Santa Maria von Burgos ist f\u00fcr uns eines der sch\u00f6nsten Gottesh\u00e4user weltweit. Dieses gotische Bauwerk geh\u00f6rt zu Recht zum Weltkulturerbe, wobei diesem Label allm\u00e4hlich inflatorische \u201aJekami-Bedeutung\u2019 zukommt. Es begeisterte uns schon im Vorjahr auf einem Ausflug von Salamanca, wo wir einen Intensivkurs in Spanisch machten. Damals sahen wir die mit St\u00f6cken bewaffneten Pilger vor\u00fcbergebeugt an uns vorbei schleichen. Jetzt geh\u00f6ren wir selber zu dieser Gilde und uns k\u00fcmmern die Blicke der Touristen nicht, die in Autobussen herbei gekarrt werden. Uns verbleiben 506 km bis Santiago de Compostela.<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"right\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"font-size: medium;\">.<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52284.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: medium;\">Burgos &#8211; Catedral de Santa Maria<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52285.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: medium;\">Burgos &#8211; Catedral de Santa Maria &#8211; Escalera dorada (Goldene Treppe)<\/span><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: 16pt;\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52286.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: medium;\">\u00a0<span style=\"font-family: 'Comic Sans MS';\"><span style=\"color: #ff6600; font-size: small;\">Burgos &#8211; Catedral de Santa Maria &#8211; Seitenkapelle<\/span><\/span> <\/span><\/div>\n<div align=\"center\"><span style=\"font-size: medium;\">.<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" style=\"display: block;\" src=\"\/caminodesantiago\/files\/2012\/05\/52288.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" \/><\/span><span style=\"color: #ff6600; font-family: 'Comic Sans MS'; font-size: small;\">\u00a0Burgos &#8211; Catedral de Santa Maria in der Abendsonne<\/span><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jakobsweg nach Santiago de Compostela: Zu Fuss mit Rucksack 800 km in 31 Tagen . 25.8.08 Die Anreise Jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt. 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